Der Herr Karl
Datum:06.02.2026 bis 08.02.2026
Der Klassiker von Qualtinger und Merz in 13 Sprachen mit 14 Darstellenden
„So unruhig. De Menschen waren zornig. Verhetzt. Fanatiker,“ sinniert der Herr Karl über die schreckliche Zeit damals, geprägt von Umbrüchen, Inflation und Armut, als es die Leut massenweise in die Fänge von Populisten und Führern trieb. Das Stück könnte aktueller nicht sein! Die ältere Generation in Österreich kennt den „Herrn Karl“ noch als Skandalstück über einen österreichischen Prototyp, einen Wendehals, der sich empathiefrei durch die Untiefen seiner Zeit schlägt. Das DH5 holt den Monolog aus dem Keller und macht das Werk einem neuen Publikum zugänglich, stellt es ins Zentrum eines Dialogs über Werte und Identität.
Inszenierung mit 14 Darsteller*innen in 13 Sprachen
Es ist den Kulturaktivist*innen im DH5 ein schelmisches Vergnügen, dieses Volksstück der „mythenzerstörenden Abart“ unter die Leute zu bringen. Das Zerschneiden in Sprachstreifen, um es als sprachliche Collage zu präsentieren, macht aus dem Werk ein Meta-Theater, dessen Form Fragen nach Identität und Leitkultur ins Leere laufen lässt.
Das Stück
Qualtinger und Merz demaskieren den Homo Austriacus, sie kratzen an der süßelnden Oberfläche der österreichischen Identität und die gemütlich-melancholische österreichische Seele entpuppt sich als opportunistisch und charakterlos. Aus gemütlich wird faul, aus gastfreundlich berechnend, und musisch? Am liebsten würde der Herr Karl all die Kinos und Theater niederreißen.
Der Herr Karl ist kein schillernder Bösewicht im Format von Vito Corleone, er ist vielmehr ein richtiges Würschtl, aber ein böses. Die Annahme, dass das „böse Würschtl“ eine Universalie in hierarchischen Gesellschaften ist, hat den Herrn Karl für dieses interkulturelle Theaterexperiment empfohlen. In den Sprachcafés, beim Übersetzen, kam viel Erlebtes an die Oberfläche. Genug, um daraus einen eigenen „Herr Karl“ zu machen. Der Herr Karl ist tatsächlich überall. Es ist diese banale Bosheit, die aus einer vermeintlichen Existenzangst heraus die Arbeit von Regimes erledigt.
Das DH5, der Kulturverein in der Herrenstraße, ist ein künstlerischer und intellektueller Schmelztiegel im Herzen von Linz. Bekannt für seine bunten Feste und Beiträge zum Ars Electronica Festival hat der Verein mit der Vielfalt an Menschen, die hier täglich verkehren, die besten Voraussetzungen für ein derart komplexes Theaterexperiment.
Sprachen
Bulgrarisch, Belarussisch, Französisch, Englisch (amerikan.), Afrikaans, Deutsch, Katalanisch, Spanisch (andalusisch), Dari (afghan.), Rumänisch, Vietnamesisch und Portugiesisch (brasil.)
Produktion: Walter Stadler, Kristin Henkel
Bühnenbild: Moritz Danner, Assistenz: Lucia Herber
Grafik: @harasananas @exconvaldez
Sprachcafes: Remo Rauscher, Walter Stadler