Nachgefragt: Wie geht’s dem Palais Kaufmännischer Verein?

Die Ballsaison wäre gerade voll im Gange. Doch anstatt rauschender Ballnächte stehen leider viele coronabedingte Absagen an der Tagesordnung. Wir haben uns im Palais Kaufmännischer Verein umgehört, was sich hinter den Kulissen tut.

Im Gespräch mit Betriebsleiter Rafael Hintersteiner erfahrt ihr, wie es dem Palais heute geht und was für die Zukunft geplant ist.

Wie geht‘s dem Palais in der aktuellen, coronabedingten Situation und mit den vielen Veranstaltungen (vor allem Bällen), die leider nicht wie gewohnt stattfinden können?

„Bis vor einem Jahr war es undenkbar, dass es so etwas wie eine ‚auferlegte‘ Veranstaltungspause gibt. Das alles ging so schnell, dass wir zunächst nicht wussten, was als nächstes kommen wird. Nach einer kurzen Atempause konnten wir uns jedoch auf diese Situation einstellen und waren in der Lage, mit den entsprechenden Präventionskonzepten, kleinere Veranstaltungen durchzuführen. Dass die Pandemie jedoch länger andauert und die Ballsaison als gesellschaftlicher Höhepunkt von Linz nicht wie gewohnt stattfinden kann, trifft nicht nur uns, sondern auch all die begeisterten Ballgäste. Doch wie heißt es so schön: Nach jedem Tief kommt auch ein Hoch – und so sehen wir positiv in die Zukunft und freuen uns schon jetzt, wenn wir unser Haus wieder öffnen dürfen.“

Gehen die Planungen der nächsten Termine dennoch weiter? Was passiert hinter den Kulissen? Welche Aufgaben beschäftigen Sie in diesen unsicheren Zeiten?

„Auch wenn gerade nichts veranstaltet werden darf, freuen wir uns, dass Veranstalter bei uns anfragen und Termine für den Herbst und für nächstes Jahr reservieren bzw. buchen. Man kann direkt spüren, dass die Leute immer ‚hungriger‘ auf Veranstaltungen werden. Das stimmt uns sehr positiv und diesen Drive nehmen wir in unsere Arbeit auf. So nutzen wir die aktuelle Lage, um unser Haus in Schuss zu bringen und die Re-Zertifizierung des Österreichischen Umweltzeichens für Green Meetings und Green Events anzugehen."

Wenn wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen – wie sieht das Konzept des Palais Kaufmännischer Verein aus?

„Wir arbeiten derzeit intensiv an neuen Konzepten für eine Zeit nach Covid-19 – natürlich wird dies nicht von heute auf morgen gehen, aber wir stellen fest, dass sich die Menschen mehr Kultur im Palais wünschen. Weiters passen wir uns an den Digitalisierungsschub, der aktuell vonstattengeht, an. Bis vor einem Jahr waren Hybrid-Veranstaltungen kaum präsent. Jetzt ist es selbstverständlich, sich virtuell zu treffen oder eine Kombination aus Live- und Online-Event abzuhalten. Zudem haben wir unseren Web-Auftritt auf www.palaislinz.at überarbeitet und die Inhalte für unsere Kundinnen und Kunden optimiert. Luft nach oben gibt es: Wir wollen in naher Zukunft 3-D-Visualisierungen anbieten, sodass bereits im Vorfeld einer Veranstaltung Raumeindrücke vermittelt werden können.“

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr bzw. generell für die Zukunft?

„Wir sind seit mehr als 120 Jahren ein Haus der Geselligkeit und des Kulturlebens in Linz und so fiebern wir einer baldigen Wiedereröffnung entgegen.“

Das Palais – eine traditionelle Institution in Linz

Im geschichtsträchtigen Veranstaltungshaus an der Linzer Landstraße haben in den vergangenen 120 Jahren zahlreiche Bälle und Feste stattgefunden, bei denen kräftig das Tanzbein geschwungen wurde. Das heutige Palais, schlicht als "Vereinshaus" bekannt, wurde im Jahr 1898 feierlich eröffnet und ist seitdem an der prominenten Adresse Landstraße 49 zu finden.

Das Palais blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Foto: Palais Kaufmännischer Verein

Der Kaufmännische Verein selbst wurde bereits im Jahr 1868 gegründet und beruht auf einer Initiative von elf jungen Kaufleuten. Nach Räumlichkeiten im Vielguthaus und im Eurichhaus in der Domgasse wurde im Jahr 1893 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Bau eines eigenen Vereinshauses an der Ecke Landstraße/Bismarckstraße beschlossen. Im Jahr 1900 kündigte sich hoher Besuch an – Kaiser Franz Joseph kam nach Linz und besichtigte das damals noch junge Vereinshaus.

Auch als Postkartenmotiv war das späthistorische Eckhaus mit neobarockem Dekor sehr beliebt. Foto: Archiv der Stadt Linz

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen großen Einschnitt für die Veranstaltungsstätte: Vereine, Organisationen und Verbände wurden unter Aufsicht der NSDAP gestellt und hatten ideologisch konform zu sein. Der Kaufmännische Verein wurde offiziell aufgelöst und in die Deutsche Arbeitsfront Oberdonau integriert. 1945 wurde das Gebäude durch Bombentreffer teilweise zerstört, 1952 wurden die beiden Säle stilgerecht wiederhergestellt, 1958 folgte die Fassade. 1953 wurde das Haus von den Amerikanern wieder freigegeben – nach und nach fand das Vereinshaus zu seiner ursprünglichen Rolle zurück.

Nachdem das Vereinshaus neben Konzerten und Bällen auch vermehrt für Seminare und Kongresse genutzt wurde, wurden 2010 die Räumlichkeiten erweitert. 2016 schließlich erhielt es das österreichische Umweltzeichen „Green Events“. 2018 feierte das Veranstaltungshaus ein Doppeljubiläum: 150 Jahre Verein und 120 Jahre Palais.