Nachgefragt: Wie geht’s dem Brucknerhaus?

Konzerte, Musicals, Opern – Das Linzer Konzerthaus an der Donau bietet normalerweise ein breites Spektrum an Events. Durch die Corona-Pandemie ist es dort leider sehr still geworden. Wir haben uns im Brucknerhaus umgehört und exklusive Infos für euch.

Im Linz-Termine-Interview erfahrt ihr von Dietmar Kerschbaum, Brucknerhaus-Intendant und künstlerischer Vorstandsdirektor der LIVA, wie das Brucknerhaus mit der herausfordernden Situation umgeht, was hinter den Kulissen passiert und was er sich für die Zukunft wünscht.


Foto: Rita Newman

Wie geht‘s dem Brucknerhaus in der aktuellen, coronabedingten Situation und mit den vielen Veranstaltungen, die leider nicht wie gewohnt stattfinden können?

„Noch nie in seiner 47-jährigen Geschichte war das Brucknerhaus so lange Zeit hindurch geschlossen. Seine Aufgabe ist es, den Menschen Freude zu bereiten, was gegenwärtig leider nicht möglich ist. Aber wir resignieren nicht, sondern richten den Blick nach vorne. Ich glaube, die Zeit ist nicht mehr allzu fern, in der wir unsere Türen wieder öffnen dürfen. Dafür wollen wir gerüstet sein und arbeiten mit Hochdruck daran, den Spielbetrieb bald wieder aufzunehmen.“ 

Gehen die Planungen der nächsten Termine dennoch weiter? Was passiert hinter den Kulissen? Welche Aufgaben beschäftigen Sie in diesen unsicheren Zeiten?

„Hinter den Kulissen wird emsig gearbeitet. Wir haben soeben das Programm des diesjährigen Internationalen Brucknerfests Linz finalisiert und werden es noch im April der Öffentlichkeit vorstellen. Auch die Planung der Saison 2021/22 ist so gut wie abgeschlossen. Wir gehen nämlich davon aus, dass nach flächendeckenden Impfungen spätestens ab Herbst wieder Normalität einkehren wird und der Konzertbetrieb in vollem Umfang wiederaufgenommen werden kann. Unsicherheit herrscht hingegen in Bezug auf die verbleibenden Monate der laufenden Saison. Für mehrere Veranstaltungen, die corona-bedingt vorerst nicht stattfinden konnten, haben wir Ersatztermine im Mai, Juni und Anfang Juli im Auge, obgleich wir bis dato nicht wissen, ob die Regierung dafür grünes Licht geben wird. Manchmal denke ich mir, es wäre ehrlicher, wenn sich die Regierung dazu durchringen könnte, den Veranstaltungsbetrieb endgültig bis Sommer abzusagen, als die Veranstalter mit vagen Aussagen permanent hinzuhalten. Man kann in einem Kulturbetrieb nicht einfach einen Schalter umlegen und sagen, ab morgen sperren wir wieder auf. Es braucht dafür einige Wochen an Vorlaufzeit. Wirtschaftlich würde es auch keinen Sinn machen, wenn wir nur für 100 oder 250 Personen spielen dürften. Im Großen Saal müssten mindestens 500 Personen zugelassen sein, um wenigstens ansatzweise die Kosten einer Öffnung zu decken.“

Wenn wieder Veranstaltungen stattfinden dürfen – wie sieht das Konzept des Brucknerhauses aus?

„Wir haben schon im vergangenen Sommer ein Konzept vorgelegt, das sich nicht nur in der Praxis, etwa beim Brucknerfest 2020, bestens bewährt hat, sondern das auch Vorbild für andere Kulturveranstalter gewesen ist. Dieses Konzept würden wir in seinen Grundzügen künftig ebenfalls einsetzen, natürlich mit entsprechenden Adaptionen, die der aktuellen Lage und den daraus resultierenden Vorschriften der Gesundheitsbehörden Rechnung tragen. Sollten beispielsweise Eintrittstests vorgeschrieben werden, würden wir auch diese Anforderung erfüllen, obwohl ein Konzertbetrieb eigentlich nicht dafür ausgerichtet ist, in medizinischen Belangen irgendwelche Kontrollen durchzuführen.“

Was wünschen Sie sich für dieses Jahr bzw. generell für die Zukunft?

„Ich wünsche mir, dass wir alle – unser Publikum und unsere MitarbeiterInnen – gesund bleiben und unbeschadet aus der Pandemie hervorgehen. Ich wünsche mir ferner, dass wir aus den Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie lernen, um künftig für Probleme dieser Art besser gerüstet zu sein. Muss wirklich immer ein ganzes Land den Rollbalken herunterfahren, wenn eine Pandemie ausbricht? Alle Studien haben gezeigt, dass sich im Kulturbereich niemand angesteckt hat. Vielleicht würde es genügen, die Sicherheitskonzepte in solch einer Krisensituation zu verschärfen, ohne dabei den Betrieb komplett einzustellen. Vor allem aber wünsche ich mir, dass es so bald keine Pandemie mehr geben wird und wir Musik und Theater wieder gemeinsam genießen können. Wir brennen schon sehr darauf, für unser Publikum endlich wieder spielen zu dürfen!“

Brucknerhaus Linz – ein klangvolles Veranstaltungshaus

Was steckt hinter dem Brucknerhaus und wie hat es sich entwickelt? Das Brucknerhaus bereichert die Stadt Linz bereits seit seiner offiziellen Eröffnung am 23. März 1974. Seitdem hat sich vieles getan – nicht umsonst gilt es heute aufgrund seiner Lage im Donaupark, seiner edlen Architektur, entworfen von den finnischen Architekten Heikki und Kaija Siren, und durch seine Akustik als eines der attraktivsten Konzerthäuser der Welt. Namhafte, internationale Orchester, Dirigenten und Solisten sowie auch nationale KünstlerInnen bringen regelmäßig ihre Stücke zum Besten. Doch nicht nur Klassik-Fans kommen hier auf ihre Kosten – bei einem abwechslungsreichen Programm mit rund 180 Eigenveranstaltungen pro Jahr finden auch Jazz-Aufführungen, Weltmusik, Lesungen, Kinder- und Jugendkonzerte sowie Musicals Platz. Das hauseigene Restaurant „Bruckner’s“ sorgt für das kulinarische Wohl der BesucherInnen.

Ein kulturelles und musikalisches Highlight ist das Internationale Brucknerfest Linz, das alljährlich von 4. September (Anton Bruckners Geburtstag) bis 11. Oktober (Anton Bruckners Todestag) über die Bühne geht. Die Klangwolke als Teil des Brucknerfestes ist aus dem städtischen Veranstaltungskalender ebenfalls nicht wegzudenken, lockt sie doch zigtausende BesucherInnen an, die miterleben wollen, wenn sich Linz in einen Klangkörper verwandelt.

Alle Veranstaltungen des Brucknerhaus Linz


Foto: Rita Newman

Von damals bis heute

Das Konzerthaus wurde im Jahr 1974 als Symbol der Moderne eröffnet – Linz setzte mit diesem Schritt ein Zeichen für Offenheit bei gleichzeitigem Blick auf Tradition und Zukunft. Ziel war es, internationale Stars und Nachwuchs-KünstlerInnen auf die Bühne zu holen. Ein weiterer Höhepunkt folgte bereits wenige Jahre später, als 1979 die erste Klangwolke präsentiert wurde und 100.000 BesucherInnen in die Stadt lockte. 1980 fand dann die erste Klangwolke mit Live-Orchester statt – das Bruckner Orchester Linz bespielte das Brucknerhaus mit Bruckners 4. Symphonie, und mehr als zwei Millionen Personen lauschten den musikalischen Klängen. Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Veranstaltungshauses folgte 2018, als die damals knapp 45 Jahre alte Orgel ausgetauscht wurde.

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Platz für zahlreiche Kultur- und Klassik-Fans

Das größte Konzerthaus außerhalb Wiens bietet auf einer Gesamtfläche von 3.600 Quadratmetern und sieben Stockwerken ausreichend Platz für BesucherInnen. Die Veranstaltungen finden im Kleinen („Keplersaal“), Mittleren („Stiftersaal“) oder Großen Saal („Brucknersaal“), dem Herzstück des Brucknerhauses, statt. In allen Räumlichkeiten dürft ihr euch über eine exzellente Akustik freuen. Die Säle sind insgesamt für mehr als 2.000 Personen ausgestattet. Wir hoffen, dass diese bald wieder ihre Pforten öffnen können und klangvolle Konzerte die Donau zum Beben bringen!