Formen der Wirklichkeit

Von Becher bis Kandl

Datum:21.07.2026 bis 05.09.2026

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Formen der Wirklichkeit: Von Becher bis Kandl

Das Fotobuch ist weit mehr als ein gedrucktes Archiv, es ist ein eigenständiges künstlerisches Medium. Keine andere Strömung hat die visuelle Kultur der Gegenwart wohl so nachhaltig geprägt wie die legendäre „Becher-Schule“. Gegründet von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf, etablierte sich hier ein radikal neuer Blick auf die Welt: kühl, sachlich, präzise, streng konzeptionell.

Unter dem Titel Formen der Wirklichkeit: Von Becher bis Kandl widmet sich diese Ausstellung bedeutenden Publikationen dieser Epoche und spürt einer fundamentalen Frage nach: Wie viel Realität steckt im fotografischen Dokument?

Die gezeigten Monografien von Bernd und Hilla Becher, Thomas Struth, Andreas Gursky und Thomas Ruff bilden den Kern. Ihre Bücher dokumentieren urbane Räume, Gesichter und globalisierte Landschaften in präzisen
Serien. Sie fangen die Spuren der Wirklichkeit ein, entwickeln sie aber im gedruckten Buch zu visuellen Monumenten unserer Zeit weiter.

Die Ausstellung erweitert diesen Blick bewusst um vier wegweisende Grenzgänger, welche den Diskurs der Düsseldorfer Schule spiegeln und herausfordern: Joachim Brohm, ein Pionier der deutschen Farbfotografie aus der Essener Folkwang-Tradition, antwortet auf die strenge Industriearchitektur der Bechers mit einer farbintensiven, atmosphärischen Alltagswirklichkeit. Thomas Demand, der an der Düsseldorfer Akademie Bildhauerei studierte, treibt das Prinzip des Dokuments schließlich an seine konzeptionelle Grenze. Seine Bücher zeigen keine Spuren der realen Welt, sondern die perfekte Fiktion: Fotografien von lebensgroßen, rekonstruierten Papiermodellen.

Michael Schmidt. Als Solitär der Berliner Fotografie verweigerte er sich der dichten Perfektion der Düsseldorfer. Seine Fotobücher sind raue, politische und zutiefst emotionale Erkundungen von Brüchen und historischen Traumata.

Leo Kandl erweitert diesen Diskurs aus einer spezifisch österreichischen Tradition heraus. In seinem wegweisenden Fotobüchern "Wiener Runden" bzw. „Weinhaus“ widmet er sich mit einem zutiefst humanistischen, unaufgeregten Blick den Menschen und dem Alltag am Rande der Großstadt. Bei Kandl wird die Kamera zu einem Werkzeug der leisen Annäherung, das die Grenze zwischen Dokumentation und intimer Nähe auslotet.

Formen der Wirklichkeit: Von Becher bis Kandl zeigt, dass das fotografische Dokument niemals objektiv ist. Im Blättern und Vergleichen dieser Buchkunstwerke wird sichtbar, wie die Wirklichkeit in den letzten fünfzig Jahren seziert, gefühlt, hinterfragt und schließlich völlig neu konstruiert wurde.

Gezeigt werden in Summe 18 Publikationen.

Veranstaltungsort

Der Stöbich am Taubenmarkt
Schmidtorstraße 8
4020 Linz

Öffnungszeiten

Freitag und Samstag 14-18 Uhr

Jederzeit nach Vereinbarung 

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Datenquelle: basemap.at

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